„Dabei sein ist alles“

Dieses Zitat wird dem Gründervater der Olympischen Spiele, Pierre de Coubertin, zugeschrieben und hat sich inzwischen als Motto dieser sportlichen Edelveranstaltung etabliert. Tatiana hat in den letzten Tagen das Olympiaambiente genießen können und hat an der Eröffnungsfeier teilgenommen. Sportlich allerdings hielt sich die Freude in Grenzen.


Tokio 22Im Stadion verfolgte Tatiana die Eröffnung der Spiele in Tokio mit.

Am Freitag startete das offizielle Olympia mit einer aufwendigen Eröffnungsfeier. Tatiana war dabei. Die Sportler, die wegen des russischen Dopingskandals nicht unter der Nationalflagge auftreten konnten, sondern unter dem Label „Russisches olympisches Komitee“ (ROC) firmierten, waren in einem roten Dress eingekleidet worden und marschierten so hinter der überwiegend weißen ROC-Fahne ein. Wer genau hinschaute, konnte in der Fernsehübertragung auch Tatiana in der Gruppe der russischen Sportler entdecken. Sie winkte freundlich in die Kameras und blieb dann bis zur Entzündung des Olympischen Feuers im Stadionrund. So konnte sie nahezu die gesamte Eröffnungsfeier mitverfolgen. Ein grandioses Schauspiel.


Für die Dressurreiter und Reiterinnen begannen die Spiele mit dem Grand Prix de Dressage am Samstag und Sonntag. Die 60 Teilnehmer wurden in 6 Gruppen aufgeteilt, 30 Paare starteten am Samstag, 30 am Sonntag. Tatiana war die dritte russische Reiterin und an vierter Postion in der vierten Gruppe: Das bedeutete eine Startzeit von 10:27 Uhr deutscher Zeit, eine fernsehfreundliche Zeit. Viele Bekannte und Freunde konnten den Auftritt bequem verfolgen. Und sie sahen eine gefällige Vorstellung, weitgehend fehlerfrei, nur die Einerwechsel wollten sich nicht so elegant abspulen lassen. Hier verhaspelt sich Dia. Am Ende erwarteten viele Zuschauer am Bildschirm etwa 68 Prozent, vielleicht 66 bei den etwas kritischeren Betrachtern. Daraus wurde nichts. Auf 63,866 Prozent wurden die Einzelergebnisse aufsummiert, ein Ergebnis, das Tatiana und Dia in ihrer gesamten Grand Prix-Karriere noch nicht erhalten hatten. Wofür die beiden so heftig abgestraft wurden, ist bisher kaum nachvollziehbar. Klar, die Einerwechsel. Aber es gab häufig eine 5,5 oder auch 5,0, etwa beim starken Schritt, beim versammelten Schritt, bei der Trabtraversale, bei der Rechtspirouette, beim versammelten Galopp, bei der Schlussaufstellung. Diese Noten waren zwar kombiniert mit siebener Noten von anderen Richtern, allerdings wirkten sie sich aufs Gesamtergebnis aus. Es gab zu oft nur eine 6 oder 6,5, wo doch bisher eher die 6,5 oder 7 oder 7,5 gegeben wurde. Spezielle Fehlerquellen zeigt die Notenübersicht nicht, vielmehr scheint die Grundqualität in allen Gangarten gefehlt zu haben. Auch konzentrieren sich die ganz sparsamen Noten nicht auf einzelne Richter. Den anderen Mitgliedern der russischen Mannschaft erging es nicht besser. Auch sie blieben weit hinter den Ergebnissen der letzten internationalen Prüfungen zurück. Das Ziel, in der Nationenwertung aufzutreten und den Special zu reiten, wurde weit verfehlt. Die sportlichen Ergebnisse förderten die Stimmung nicht. Das Motto „Dabei sein ist alles“ bleibt als kleiner Trost.